Kratom Portugal — kaum ein europaeisches Land verbindet so widerspruechliche Signale in einer einzigen Rechtslage: Import und Verkauf von Kratom sind untersagt, der private Besitz kleiner Mengen ist dagegen entkriminalisiert. Wer Portugals einzigartige Drogenpolitik seit dem Gesetz Lei n.º 30/2000 kennt, erkennt schnell, warum das kein Widerspruch ist — sondern das konsequente Ergebnis eines Modells, das seit 2001 international viel Beachtung findet.
Aktueller Status — Kratom in Portugal 2026
In Portugal ist Kratom (Mitragyna speciosa) als neue psychoaktive Substanz eingestuft. Import, Handel, Vertrieb und Bewerbung sind laut Decreto-Lei n.º 54/2013 untersagt. Der private Besitz kleiner Mengen faellt jedoch unter das Entkriminalisierungs-Regime des Lei n.º 30/2000 und wird als Ordnungswidrigkeit — nicht als Straftat — behandelt. Portugal ist damit kein „Kratom-legal-Land“, aber auch kein Land, in dem der reine Besitz strafrechtliche Konsequenzen hat.
Innerhalb der EU ist Portugal damit ein Sonderfall: Waehrend Laender wie Frankreich oder Belgien Kratom uneingeschraenkt verbieten, unterscheidet Portugal strikt zwischen Angebotsseite (Handel, Import, Werbung) und Nachfrageseite (privater Besitz). Ein Ueberblick ueber die Nachbarrechtslagen findet sich im Ratgeber Legalitaet von Kratom in Europa.
Portugals einzigartige Drogenpolitik seit 2001

Portugal hat mit dem Lei n.º 30/2000 im Juli 2001 einen weltweit beachteten Sonderweg beschritten: Der Erwerb, Besitz und Konsum aller kontrollierten Substanzen fuer den rein persoenlichen Gebrauch ist seither entkriminalisiert — also nicht mehr strafrechtlich relevant, sondern eine Ordnungswidrigkeit (contra-ordenação).
Dieses Modell wird international haeufig missverstanden. „Entkriminalisiert“ heisst nicht „legal“. Die zustaendigen Behoerden koennen weiterhin einschreiten — sie tun es aber nicht ueber Gerichte und Strafverfahren, sondern ueber die Comissões para a Dissuasão da Toxicodependência (Kommissionen zur Abschreckung von Suchtverhalten), die individuell entscheiden: Ermahnung, Geldbusse, Auflagen oder ein Beratungsangebot.
Was heisst „entkriminalisiert“ — und was nicht?
Der Unterschied ist zentral fuer das Verstaendnis der portugiesischen Kratom-Rechtslage. Eine kurze Gegenueberstellung:
Substanz ist nicht kontrolliert. Kauf, Verkauf, Handel und Werbung sind grundsaetzlich zulaessig — sofern uebrige Vorschriften (Lebensmittel-, Arzneimittelrecht) eingehalten werden.
Substanz bleibt kontrolliert. Verkauf und Import bleiben verboten. Nur der private Besitz kleiner Mengen wird als Ordnungswidrigkeit statt Straftat behandelt.
Fuer Kratom bedeutet das konkret: Ein Shop in Lissabon oder Porto darf Kratom nicht anbieten. Eine Bestellung aus dem Ausland kann am Zoll gestoppt werden. Wer aber — etwa als Reisender — eine kleine Menge im Gepaeck fuehrt, wird nicht wegen einer Straftat verfolgt, sondern — sofern ueberhaupt entdeckt — an die zustaendige Comissão de Dissuasão verwiesen.
Import & Verkauf — was ist verboten?

Die entscheidende Norm fuer Kratom ist das Decreto-Lei n.º 54/2013. Es regelt den Umgang mit Novas Substâncias Psicoativas (NPS — neue psychoaktive Substanzen) und untersagt ausdruecklich:
- Produktion und Herstellung im Inland
- Import aus Drittstaaten oder anderen EU-Laendern
- Vertrieb, Verkauf und Bewerbung im stationaeren und Online-Handel
- Abgabe in jeglicher Form — einschliesslich unentgeltlicher Weitergabe
Zustaendig fuer die Kontrolle des Marktes ist das INFARMED (Autoridade Nacional do Medicamento e Produtos de Saúde I. P.) — die portugiesische Arzneimittelbehoerde. Sie ueberwacht sowohl den legalen Arzneimittelmarkt als auch die Einhaltung der NPS-Verordnung. Verstoesse werden mit Bussgeldern und Beschlagnahmungen geahndet.
Privater Besitz — die 10-Tage-Regel
Die Entkriminalisierung nach Lei 30/2000 beschraenkt sich auf Mengen, die dem durchschnittlichen individuellen Bedarf fuer zehn Tage entsprechen. Fuer klassische Substanzen wie Cannabis, Kokain oder Heroin sind konkrete Gramm-Grenzen im Gesetz definiert. Fuer neue psychoaktive Substanzen wie Kratom gibt es keine ausdrueckliche Mengenschwelle — die Bewertung liegt im Ermessen der Behoerden.
In der Praxis laeuft das Verfahren so ab:
- Polizei entdeckt kleine Menge Kratom — z. B. bei einer allgemeinen Kontrolle.
- Die Substanz wird beschlagnahmt.
- Die betroffene Person erhaelt eine Vorladung vor die zustaendige Comissão para a Dissuasão da Toxicodependência (CDT) — ein interdisziplinaeres Gremium aus Jurist, Arzt und Sozialarbeiter.
- Die Kommission entscheidet ueber eine angemessene Reaktion: Ermahnung, Geldbusse, Auflagen oder gar keine Sanktion bei erstmaligem, nicht-problematischem Kontakt.
Zustaendig fuer die Koordination der CDTs und die uebergeordnete Drogenpolitik ist der SICAD (Serviço de Intervenção nos Comportamentos Aditivos e nas Dependências). SICAD publiziert regelmaessig Daten — darunter jaehrliche Berichte an die EUDA (früher EMCDDA), in denen Portugal Kratom als kontrollierte Substanz fuehrt.
Naturfarbstoff-Aspekt in Portugal
Kratom-Blattpulver enthaelt natuerliche Farbpigmente und wird international traditionell auch als Faerbemittel — etwa in der Seifenherstellung oder in Naturfarbstoffen — verwendet. In vielen Laendern eroeffnet diese Deklaration eine legale Nische, weil die Novel-Food- oder Betaeubungsmittel-Regelung dort nur konsumbezogene Produkte trifft.
Portugal geht hier einen anderen Weg. Das DL 54/2013 stellt nicht auf die Zweckdeklaration des Produkts ab, sondern auf die Substanz selbst. Eine Kratom-Sendung, die als Naturfarbstoff oder Botanik-Ware deklariert ist, faellt trotzdem unter die NPS-Kontrolle — sobald sie als Kratom (Mitragyna speciosa) identifiziert ist, greifen Import- und Verkaufsverbot.
Fuer deutsche Anbieter & Kunden — kein Versand-Weg
Aus Sicht eines deutschen Anbieters ist die Sachlage eindeutig: Portugal ist kein Zielmarkt fuer Kratom-Sendungen. Auch wenn das Herkunftsland (Deutschland) den Handel erlaubt, entscheidet fuer die Zulaessigkeit einer Einfuhr allein das Zielland. Portugal untersagt sowohl Import als auch Weiterverkauf.
Fuer Kundinnen und Kunden mit Wohnsitz in Portugal, die grundsaetzlich Interesse an Informationen rund um die Kratom-Rechtslage haben, bleibt der Blick ins Kratom-Wiki als serioese Quelle — ein Kauf ist ueber Kratomheld nicht moeglich.
In Deutschland ist Kratom legal — als Naturfarbstoff versandbereit
Haeufige Fragen zu Kratom in Portugal
Ist Kratom in Portugal legal?
Nein — Kratom ist in Portugal nicht legal im Sinne von „frei verkaeuflich“. Import, Verkauf, Vertrieb und Bewerbung sind nach Decreto-Lei n.º 54/2013 verboten. Der private Besitz kleiner Mengen ist allerdings entkriminalisiert und wird als Ordnungswidrigkeit statt Straftat behandelt.
Was ist der Unterschied zwischen „legal“ und „entkriminalisiert“?
„Legal“ bedeutet, dass eine Substanz nicht kontrolliert ist und offen gehandelt werden darf. „Entkriminalisiert“ heisst, dass die Substanz kontrolliert bleibt, der reine Besitz kleiner Mengen aber nicht mehr strafrechtlich verfolgt wird. In Portugal betrifft die Entkriminalisierung ausschliesslich die Nachfrageseite — Verkauf und Import bleiben unter Strafe.
Kann ich als Reisender Kratom nach Portugal mitnehmen?
Die Einfuhr faellt unter das Verbot des DL 54/2013. Wird die Menge als „kleiner Bedarf“ eingestuft, greift die Entkriminalisierungsregel (Ordnungswidrigkeit statt Straftat) — die Ware wird jedoch beschlagnahmt. Groessere Mengen koennen als Handelsabsicht gewertet werden und sind strafbar.
Welche Behoerde ist in Portugal zustaendig?
INFARMED (Arzneimittelbehoerde) ueberwacht das Verkaufs- und Bewerbungsverbot. SICAD koordiniert die uebergeordnete Drogenpolitik. Ueber den privaten Besitz kleiner Mengen entscheiden regionale Kommissionen zur Abschreckung von Suchtverhalten (Comissões para a Dissuasão da Toxicodependência).
Hilft die Naturfarbstoff-Deklaration in Portugal?
Nein. Anders als in Deutschland stellt Portugal auf die Substanz selbst ab, nicht auf die Zweckdeklaration. Kratom bleibt unabhaengig von der Deklaration eine kontrollierte NPS.
Fazit — Portugal ist ein Sonderfall
Portugal zeigt exemplarisch, wie differenziert Drogenrecht sein kann. Kratom Portugal ist weder klassisch „verboten“ noch „legal“ — sondern kontrolliert auf der Angebotsseite und entkriminalisiert auf der Nachfrageseite. Diese Trennung ist konsequent im Sinne des seit 2001 gelebten portugiesischen Ansatzes: Suchtverhalten wird als Gesundheits-, nicht als Strafthema behandelt, waehrend der Markt aktiv reguliert bleibt.
Fuer deutschsprachige Interessierte bleibt festzuhalten: In Portugal koennen weder legal Kratom-Shops betrieben noch Sendungen ueber die Grenze gebracht werden. Wer aus Deutschland heraus informiert bleiben will, findet aktuelle Uebersichten im Europa-Hub und im ausfuehrlichen Ratgeber Ist Kratom legal?.
· INFARMED — Autoridade Nacional do Medicamento e Produtos de Saúde I. P. (infarmed.pt)
· SICAD — Serviço de Intervenção nos Comportamentos Aditivos e nas Dependências (sicad.pt)
· Lei n.º 30/2000 (Entkriminalisierungs-Gesetz) · Decreto-Lei n.º 15/93 (Betaeubungsmittel-Grundgesetz) · Decreto-Lei n.º 54/2013 (NPS-Verordnung)
· EUDA / EMCDDA — Europaeische Drogenagentur, Lagebericht zu kontrollierten Substanzen
· Kratom Science Europe — Kratom in Portugal
Stand: August 2026 · Aenderungen der Rechtslage jederzeit moeglich · Diese Aufstellung ist keine Rechtsberatung.










